Traumpfad: als Anfänger über die Alpen?! Teil 7

Traumpfad: als Anfänger über die Alpen?! Teil 7

Tag 19

„Happy birthday to you, happy birthday to you, happy bööööööörthday, liebe Vicky, happy birthday to yooouuuu!!“ Heute ist Vickys Geburtstag !
Schon beim Frühstück gab es eine kleine Überraschung. Denn das Pärchen aus Tirol, welches wir schon ein paar Tage vorher kennen gelernt hatten, kam singend und mit einem kleinen Teelicht in der Hand zu uns an den Tisch und gratulierten Vicky. Dazu gab es sogar einen kleinen Schoko-Keks-Riegel. Wie lieb! Dieser leckere Schoko-Keks war nicht nur eine schöne Geste, er sollte später auch ein rettender Energiespender sein. Aber wir wollen ja nicht vorgreifen 😛

Nach dem eher schmächtigen Frühstück machten wir uns auf den langen Weg Richtung Pfunders. Dass Vicky nur ein kleines Aufbackbrötchen gefuttert hatte, sollte sie noch bereuen. Aber wir wollen ja nicht vorgreifen 😀
Zuerst ging es die vielen Meter wieder hinauf, die wir am Vortag hinab gelaufen sind. Danach liefen wir durch ein zauberhaft schönes, ruhiges Tal.

Was für eine bezaubernde Wanderung bisher.
Anschließend ging es richtig steil bergauf. Zunächst auf schmalen Pfaden durch die Wiesen, dann immer steiler und es kamen immer mehr Steine und kleinere Felsen dazu. Was für eine Plackerei. Wir waren ordentlich am schwitzen. Je näher wir der Gliederscharte kamen, umso felsiger und steiler wurde der Weg. Und ab einem gewissen Punkt auch immer ausgesetzter.
[Deedee] Ich merkte mit der Zeit, dass Vickys Antworten immer knapper wurden, bis sie irgendwann gar nicht mehr antwortete. Mir war klar, da ist etwas nicht in Ordnung.
Inzwischen liefen wir über einen Weg, der so schmal war, dass man nicht mals mehr beide Füße nebeneinander stellen konnte, direkt am Abgrund. Links ging es zig Meter senkrecht runter. Ein falscher Schritt hätte hier – und das ist jetzt keine Übertreibung, um es dramatischer klingen zu lassen – mit höchster Wahrscheinlichkeit den sicheren Tod bedeutet. Je länger wir dieser bedrohlichen Situation ausgesetzt waren, umso unsicherer wurde meine Süße. Die erschöpfende Wirkung des langen und steilen Anstieges taten ihren Teil noch dazu, dass sie irgendwann physisch und psychisch am Ende war.
Es kam zu einer totalen Blockade.

Wir mussten uns erstmal hinsetzen, weil es in dem Moment nicht mehr weiterging. Etwas erschlagen von der gesamten Situation beobachtete jeder für sich die aufziehenden dunklen Wolken oben in der Scharte. Es würde also sicherlich nicht allzu lange dauern, bis es anfängt zu regnen und zu stürmen, und das würde in Anbetracht unserer Lage nix Gutes bedeuten. Aber keiner von uns wollte seine Sorgen aussprechen, um den anderen nicht zu verunsichern 😀 … oder, weil er hoffte, der andere würde es gar nicht bemerken 😀
Kurze Zeit später, nach ein paar tiefen Atemzügen, mussten uns die Beine weitertragen.
Vicky startete zunächst zögerlich, doch mit jedem Schritt wurden diese schneller und schneller, bis wir beide völlig aus der Puste waren und uns ordentlich die Pumpe ging. Hauptsache weg hier, schnell
weiter, in der Hoffnung, dass dieser Wegverlauf irgendwann endlich aufhört.


An dieser Stelle müssen wir zugeben, dass jegliche Freude über Aussicht und die Schönheit der Natur usw. leider verschwunden war. Es ging nur noch ums Weiterkommen.
Irgendwann mussten wir uns bremsen, da das Tempo langsam aber sicher ziemlich ungemütlich wurde und Deedee sich wunderte, warum er plötzlich Herzrasen bekam.
Wir waren mega erleichtert, als wir nach etwa einer Stunde an der Schwarte ankamen und das Pärchen aus Tirol erblickten. Die beiden versuchten, trotz widerspenstigem Wetter, ihr kleines Päuschen zu machen. Deedee verspürte eine sehr starke Erleichterung, als er feststellte, dass der Weg runter weniger anspruchsvoll aussah. Deshalb latschten wir direkt weiter, etwas entspannter und mit der Hoffnung auf ein paar Sonnenstrahlen hinter dem nächsten Hügel.
Nach kurzer Zeit erreichten wir einen wunderschönen, einsamen Bergsee, wo wir neue Kräfte sammeln wollten.

Da unsere Futtervorräte aufgebraucht waren, wussten wir erst jetzt den Geburtstags-Schokoriegel so richtig zu schätzen. Brüder- und schwesterlich geteilt schmeckte er außerordentlich köstlich. Wir verbrachten eine ganze Zeit hier am See, mit dem einsetzenden Regen machten wir uns auf den weiteren Weg. Nach kurzer Zeit kamen wir an der scheinbar sehr autarken obere Engbergalm vorbei: hier gab es Schweine, Kühe, Ziegen, Hühner, Gänse, Schafe,… aber leider keinen Cafe con leche, da geschlossen.

Also stiefelten wir weiter Richtung Tal. Ab hier auf weniger abwechselungsreichen Forstwegen. Und es zog sich, und es zog sich, und es zog sich. Und dazu Regensachen an, Regensachen aus, Regensachen an,…
Nach einer halben Ewigkeit und furchteinflößenden Begegnungen mit diabolisch schauenden Kühen erreichten wir Dun, einen kleinen Ort, an dem wir oberhalb vorbei gingen. Und wieder schien sich der Weg endlos zu ziehen. Auf dem letzten Abschnitt dieser Etappe liefen unsere Körper schon auf Reserve, der Kopf war wie abgeschaltet. Umso glücklicher waren wir, als wir endlich Pfunders erreichten. Völlig ausgelaugt und hungrig kehrten wir in der Alberge Brugger ein. Eigentlich hatte diese heute Ruhetag, aber von den Tirolern wussten wir, dass sie ab 17 Uhr doch geöffnet hatten. Und dort gab es energiespendenden Apfelstrudel. Dann eine Dusche, ein Nickerchen und dann Abendessen. Das tat gut!
Mit einigen Gläsern Wein und spannenden Geschichten und Gesprächen ließen wir den aufregenden Geburtstag ausklingen und jemand von uns war sehr froh, diesen Tag überlebt zu haben 😀 😀 😀

 

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