Schweden – Unterwegs auf dem Kungsleden

Schweden – Unterwegs auf dem Kungsleden

Wir wollten in die Wildnis! Diesmal aber wirklich! Und diesmal bekamen wir die Wildnis…

Nach einigen Zwischenstopps u.a. in Jokkmokk, um unser Wanderproviant wieder aufzufüllen, erreichten wir Kiruna. Wir hatten geplant, direkt am nächsten Tag mit Bulli nach Abisko zu fahren, um ihn dort abzustellen und die Wanderung zu beginnen. Wir wählten den nördlichen Abschnitt des Kungsleden, der auf 110 km von Abisko nach Nikkaluokta verläuft. Die nette Dame in der Touristeninformation in Kiruna, wo wir uns noch eine Wanderkarte besorgten, empfahl uns, den Bulli am Bahnhof von Kiruna abzustellen und mit dem Zug nach Abisko zu fahren, da so die Rückfahrt etwas kürzer und entspannter wäre. Nach einem kurzen Check des Bahnhofsparkplatzes kauften wir die Zugtickets und fuhren zum lokalen Campingplatz, um unsere Ausrüstung zu sortieren/kontrollieren und nochmal zu duschen. Denn das mit dem Duschen würde jetzt für mindestens eine Woche vorbei sein.
Sauber und erholt standen wir am nächsten Morgen pünktlich und aufgeregt am Bahnhof von Kiruna. Doch der Zug kam nicht. Als die Menschenmenge zunehmend chaotischer wurde, erfuhren wir, dass auf der Strecke ein Zug entgleist war und der Verkehr heute ziemlich eingeschränkt sein wird. Wir warteten mehrere Stunden auf einen Ersatzbus, mittlerweile strandeten immer mehr Menschen ungewollt am Bahnhof. Die Situation schlug ein wenig auf unsere so schon angespannten Gemüter, wir versuchten uns aber nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Wir lernten zwei Interrail Reisende aus Deutschland und Teresa kennen, von welchen Letztere unsere Mitwanderin für die ersten zwei Tage werden sollte.
Außerdem stellten wir fest, dass an diesem Wochenende eine Veranstaltung von der Outdoorbekleidungsmarke Fjällräven stattfand. Diese sieht so aus: 2000 Menschen gehen am Samstag und Sonntag in Nikkaluokta an den Start, um (in entgegengesetzter Richtung zu uns) nach Abisko zu laufen. Nach einer kurzen Rechnung kam raus, dass wir den Wanderern ungefähr am dritten Tag entgegen kommen würden. Na, das wird ja ein Spaß.
Mit ca. vier Stunden Verspätung ging es dann endlich mit Schienenersatzverkehr los. Zum Glück war die erste Etappe nur 12 km lang, sodass wir sie auch noch schaffen könnten, obwohl wir erst um 16 Uhr los kommen würden.
Nach einer kurzen Fotosession am Eingangstor zum Kungsleden folgten wir schönen Pfaden durch den Abisko-Nationalpark. Wir liefen immer wieder am Fluss entlang und überquerten viele wackelige Hängebrücken. Wir verstanden uns super mit Teresa und führten spannende Unterhaltungen, so dass die Etappe schnell geschafft war und wir kurz vor dem „offiziellen“ Ziel der ersten Etappe, der Berghütte Abiskojaure, unsere Zelte aufschlugen. Einige andere Wanderer hatten ihre Lager bereits aufgeschlagen und kochten ihr Abendessen. So ließen wir gemütlich den Abend ausklingen und krochen etwas erschöpft ziemlich früh in unsere Schlafsäcke.

Das besonders aufregende an dieser Tour war, dass wir diesmal wussten, dass es kein Problem sein wird, einen Platz zum Zelten zu finden und darauf stellten wir uns ein. Nachdem Vicky in stundenlanger Arbeit quasi fachmännisch das Zelt wieder zusammengeflickt hatte, konnte es sich wieder beim Einsatz beweisen, was es auch tat. Außerdem schleppten wir unsere komplette Versorgung für sieben Tage mit, denn Einkäufe waren in den Berghütten nur sehr bedingt möglich. Es gab Fertiggerichte zu kaufen, das aber zu entsprechend hohen Preisen. Eine Kekspackung gönnten wir uns dennoch mal, was der eigenen Motivation sehr zu Gute kam 🙂

Die nächsten Tage waren geprägt von Mücken, Regen und einsamer, wunderschöner Natur, jenseits jeglicher Zivilisation oder Handyempfang. Wir liefen noch ein Stück mit Teresa zusammen, trennten uns aber nach der zweiten Etappe an der Alesjaure Hütte. Dort wärmten wir uns zunächst mit heißem Kakao auf und warteten darauf, dass es aufhört zu regnen, um das Zelt aufbauen zu können. Unweit der Hütte fanden wir einen traumhaft schönen Stellplatz an einem Bergsee. Allein die 700 Milliarden Mücken trübten die idyllische Atmosphäre ein wenig.
Am dritten Tag folgte der Aufstieg zum Tjäktja Pass, der schon ziemlich steil, aber zum Glück nur kurz war. Das Wetter blieb kalt und regnerisch, so dass Mütze und Handschuhe aus dem Rucksack raus mussten. Unterwegs stärkten wir uns mit KEX Riegeln (mjaaami) und trugen somit auch noch zur Gewichtsreduzierung des Rucksacks bei 😉 Das war bei unseren 13 und 16 Kilo schweren Rucksäcken ein Fest für unsere Rücken.
Zum Glück gab es überall genug Wasser, so dass wir nie mehr als einen Liter pro Person mitschleppen mussten.
Kurz nach dem Tjäktja Pass fanden wir einen tollen Platz zum Zelten, inmitten der beeindruckenden Berglandschaft. In dieser Umgebung kam man sich ganz schön klein vor und hier zu zelten war irgendwie beängstigend schön.
Am späten Nachmittag erfreute uns die Sonne mit ihren warmen Strahlen, so dass wir beschlossen, im nahegelegenen Bach ein erfrischendes, eiskaltes Bad zu nehmen. Nach diesem Abenteuer beschlossen wir, unserem Deo mehr Vertrauen zu schenken.
An diesem Abend sahen wir die ersten Fjällräven Wanderer an unserem Lager vorbeiziehen, die teilweise wie wandelnde Zombies bis in die Nacht wanderten. Was für eine Ambition! Aber die erschöpfte Körperhaltung lies uns daran zweifeln, ob das noch so gesund war.

Am nächsten Tag ging es wieder regnerisch weiter. Wir froren und hielten ein schnelles Tempo bis zur nächsten Hütte, wo es warmen Kakao gab 🙂 Dort trafen wir mehrere Grüppchen von Fjällräven Teilnehmern, von welchen manche (möglicherweise aufgrund der Anstrengung) etwas überdreht waren. Wir schauten für einen Moment diesem Treiben zu und zogen dann weiter.
An der nächsten Hütte, zwar unbewirtschaftet, aber mit einem Kamin ausgestattet, versuchten wir für einen Moment, dem Dauerregen zu entkommen. Es war aber auch dort bereits so voll und unaushaltbar warm darin, dass wir beschlossen, weiterzuziehen. Wir hatten wohl das Hauptfeld der Fjällräven Teilnehmer erreicht…
Der Regen dachte nicht darüber nach, aufzuhören. Trotz allem war unsere Stimmung nicht ganz unten, denn die Natur entschädigte für alles.
So wanderten wir von Etappe zu Etappe weiter und genossen die Abgeschiedenheit, als die letzten Fjällräven Teilnehmer an uns vorbeizogen.

Unterwegs trafen wir auf große Flächen von Blaubeeren, von denen wir einige verputzten.
An dem vorletzten Etappenziel, der Kebnekaise Fjällstation, trafen wir Teresa wieder. Genauso wie wir haderte sie seit dem Start der Wanderung mit der Entscheidung, auf den höchsten Berg Schwedens zu steigen, oder nicht. Das Wetter nahm uns an diesem Tag allerdings die Entscheidung ab. Regen und Wolken umgaben den imposanten Klotz namens Kebnekaise vor unserer Nase, sodass wir uns dazu entschieden, den direkten Weg nach Nikkaluokta einzuschlagen.
Kurz bevor wir einen geeigneten Zeltplatz fanden, erblickten wir ein Rentier mit einem mächtigen Geweih. Es graste unbeeindruckt und lies sich von unserer Foto-Aktion nicht stören.
Wir schlugen das Zelt auf und genossen noch einmal den letzten Abend auf diesem wunderschönen Wanderweg in der wilden Natur Lapplands. Trotz aller Strapazen und Widrigkeiten, die auf dem Weg zu meistern waren, hatten wir jede Minute genossen und die Aussicht machte immer alles wett.

Am letzten Tag trennten uns noch 19 km von der Rückreise zum Bulli. Wir brachen früh auf und wollten diesen Tag entspannt angehen, um die letzten Kilometer noch einmal zu genießen. Das gelang uns auch, obwohl es den ganzen Tag regnete. So sehr man sich auch auf das Ankommen freute, spürten wir schon deutlich die Wehmut, dass dieses Abenteuer bald zu Ende geht. An der Hütte in Nikkaluokta trafen wir wieder Teresa und traten gemeinsam die Rückreise mit dem Bus an, der uns direkt in Hermis‘ Arme brachte.

So ging unser kleines Abenteuer in der Wildnis zu Ende und wir haben viele wundervolle Eindrücke und Erfahrungen sammeln können.
Für uns ging es erstmal unter die Dusche und in die lang ersehnte Sauna. Nach einer kurzen Erholung fuhren wir zurück nach Norwegen, wo wir die Lofoten und das Nordkap besuchen wollten.

Für Euch aber jetzt erstmal einen Schwung Fotos vom Kungsleden!

 

Stay tuned
die Vagabullis

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